Der falsche Staub? Warum Hyla den RTL-Test für wertlos hält

Ein Kommentar zur Auseinandersetzung zwischen Hyla Germany und RTL

Als RTL Ende März seinen kritischen Beitrag über den Hyla-Wasserstaubsauger ausstrahlte, schien das Urteil schnell gefällt: Ein Labortest hatte angebliche Schwächen des Geräts offengelegt. Doch wer sich die Gegendarstellung des Herstellers genauer ansieht, stößt auf eine Frage, die in der öffentlichen Diskussion bislang kaum Beachtung fand – und die das gesamte Testergebnis in einem anderen Licht erscheinen lässt: Wurde hier überhaupt mit dem richtigen Staub getestet?

Arizona Dust – ein Staub, der in deutschen Wohnzimmern nicht vorkommt

Der Kern der Kritik von Hyla Germany ist technischer Natur, aber durchaus nachvollziehbar. Für den von RTL beauftragten Labortest kam nach Darstellung des Unternehmens sogenannter Arizona Dust zum Einsatz – ein genormter, feiner mineralischer Prüfstaub.
Das Problem hierbei: Dieser Staub hat mit der Realität in deutschen Haushalten nichts zu tun. Hausstaub ist organischer Staub – Hautschuppen, Textilfasern, Pollen, Milbenrückstände. Feiner mineralischer Staub wie der für den Test verwendete kommt darin schlicht nicht vor.

Genau hier setzt das eigentliche Argument an: Der Hyla-Wasserstaubsauger ist technisch bedingt nicht für das Aufsaugen und Filtern mineralischer Stäube ausgelegt, worauf laut Hersteller sogar ausdrücklich in der Gebrauchsanleitung hingewiesen wird. Ein Gerät, das für den deutschen Markt und damit für organischen Hausstaub konzipiert wurde, mit einem Staub zu testen, den es hierzulande in Wohnräumen gar nicht gibt, konnte demnach nur zu einem schlechten Ergebnis führen. Oder wie es Geschäftsführer Jan Pfeiffer pointiert formuliert: Wer Baustaub aufsaugen wolle, solle sich einen Industriestaubsauger im Baumarkt kaufen.

Pfeiffer wundert sich zudem darüber, dass Testingenieure ein Gerät prüfen, ohne dessen Gebrauchsanleitung zu lesen. Die angewandte Testmethode passe zu traditionellen Staubsaugern, aber nicht zu einem Wasserstaubsauger mit Separator, der nach einem grundlegend anderen Prinzip arbeitet.

„Viel Meinung, viele Fehler, wenig Fakten“

Hylas Kritik beschränkt sich nicht auf die Testmethodik. Das Unternehmen wirft der RTL-Redaktion auch handwerkliche Mängel im journalistischen Vorgehen vor. So habe der Sender erst eine Woche vor Ausstrahlung einen Fragenkatalog an das Unternehmen geschickt – zu einem Zeitpunkt, als bereits wochenlang an dem Beitrag gearbeitet worden war. Aus den Fragen sei zudem erkennbar gewesen, dass man das Produkt schlechtmachen wollte, so Pfeiffer.

Besonders bemerkenswert: Ein RTL-Journalist nahm verdeckt mit versteckter Kamera an einer Schulung neuer Vertriebspartner in der Firmenzentrale teil. Nötig wäre das aus Sicht des Unternehmens nicht gewesen – bei solchen Schulungen ließen ohnehin viele Teilnehmer offen ihre Handykameras laufen. Was Pfeiffer aber besonders ärgert: Der Journalist sei im Haus gewesen, habe im Beitrag dann aber über offene Fragen spekuliert, die er direkt vor Ort hätte stellen können – ohne sich auch nur als Journalist zu erkennen geben zu müssen.

Beschwerde bei der Landesmedienanstalt NRW

Bei verbaler Kritik belässt es Hyla nicht. Anfang Mai hat das Unternehmen Beschwerde bei der zuständigen Landesmedienanstalt NRW gegen den Beitrag vom 31. März 2026 eingelegt. Der Vorwurf wiegt schwer: Hyla sieht einen Verstoß gegen rundfunkrechtliche Programmgrundsätze, insbesondere gegen die journalistische Sorgfaltspflicht, das Gebot der Wahrheitstreue und das Verbot verzerrender Berichterstattung. Zentrales Argument auch hier: Die Redaktion habe einen Test durchführen lassen, der auf das Gerät nicht anwendbar war – und bei dem von vornherein festgestanden habe, dass der Hyla schlecht abschneiden würde.

Das Unternehmen erwartet von der Landesmedienanstalt eine Missbilligung des Beitrags und ein Hinwirken auf dessen Entfernung oder Korrektur in den Online-Mediatheken und auf YouTube. Parallel dazu hat Hyla angekündigt, gegen aus seiner Sicht unrichtige Aussagen im Beitrag juristisch vorzugehen.

Eine Frage, die über den Einzelfall hinausweist

Ob die Landesmedienanstalt der Beschwerde folgt, bleibt abzuwarten – ebenso eine Stellungnahme von RTL zu den Vorwürfen. Doch unabhängig vom Ausgang wirft der Fall eine grundsätzliche Frage auf: Wie aussagekräftig sind genormte Labortests, wenn die Prüfbedingungen an der Lebensrealität der Verbraucher vorbeigehen? Ein Test mit Arizona Dust mag normgerecht sein. Ob er einem Gerät gerecht wird, das für organischen Hausstaub in deutschen Haushalten entwickelt wurde, ist eine andere Frage – und genau die hätte ein sorgfältig recherchierter Beitrag stellen müssen.

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